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Geschichte der Capoeira

Capoeira ist eine Kampfkunst aus Brasilien. Heute wird die Auffassung vertreten, daß angolanische Sklaven, die seit Beginn des 16. Jahrhunderts nach Brasilien gebracht wurden, die Capoeira ausgehend von traditionellen angolanischen Tänzen und Riten, entwickelten. Es wird angenommen, daß die Sklaven Capoeira in den freien Minuten praktizierten, um Energie zu schöpfen und um Ihrer Identität Ausdruck zu verleihen.




In diesen Anfängen war die Capoeira eher ein Tanz, in welchen später die Elemente des Kampfes eingeflochten wurden. Der Körper der Sklaven wurde vom Arbeitsinstrument zu einer Waffe. Diese Waffe wurde zum Schutz des eigen Körpers und Überlebens eingesetzt.

Im 17. Jahrhundert erreichte die Sklavenverfolgung einen Höhepunkt. In dieser Zeit gründeten entflohene Sklaven etliche Quilombos (selbstverwaltete Gebiete), in denen sie Zuflucht fanden und auch die Capoeira weiterentwickeln konnten.

Die Bewohner von Palmares, dem bekanntesten Quilombo, führten einen jahrzehntelangen Krieg mit den von den Kolonisatoren eingesetzten Verfolgern. Die ehemaligen Sklaven setzten Capoeira nicht nur im direkten Kampf ein, auch ihre Kriegsführung wies Züge der Capoeira auf - scheinbares Aufgeben durch Zurückweichen in ihre bekannte Gebiete, um dann die Verfolger mit einem Überraschungsangriff zu überwältigen.

Auch nach Abschaffung der Sklaverei war die Capoeira weiterhin verboten. In den Städten wurde dennoch von der armen Bevölkerung bei Straßenfesten, in den Arbeitspausen und bei anderen Gelegenheiten Capoeira auf der Straße gespielt, wobei es nicht nur durch das Eingreifen der Polizei häufig zu Tumulten kam. Durch härteste Verfolgung und Bestrafung der Capoeristas verschwand die Capoeira in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts nahezu vom Straßenbild.

Trotz des Verbotes wurden in Salvador von Mestre Bimba und Mestre Pastinha um 1932 die ersten Capoeira-Schulen gegründet. Mestre Bimba kreierte durch hinzufügen weiterer Bewegungen einen neuen Stil, die Capoeira Regional (in Abgrenzung zu der traditionellen Capoeira Angola). 1937 wurde Mestre Bimba von der Polizei zum Gouverneurspalast gebracht. Dort wurde er aufgefordert, mit seinen Schülern eine Vorführung zu geben. So es gelang ihm, die politischen Machthaber vom kulturellen Wert der Capoeira zu überzeugen.


Seit dieser Zeit wird Capoeira in ganz Brasilien, in Schulen sowie Vereinen praktiziert. In jüngster Zeit ist sie auch an allgemeinbildenden Schulen und Universitäten als Unterrichtsfach zu finden, wo sie in einigen Bereichen sogar Prüfungsfach wurde.

Frei lehrende Meister sind nunmehr vom Erziehungs- und Kulturministerium anerkannt. Genau diese Meister (Mestres) gehören zu dem Personenkreis, der im Rahmen von Kulturaustauschproqrammen brasilianische Kunst in Form der Capoeira im Ausland darstellt und verbreitet.

Anders als z.B. in asiatischen Kampfkünsten bezieht die Capoeira ihre Kraft und Energie aus der Musik. Die Musiker und alle weiteren Capoeiristas bilden einen Kreis, die Roda de Capoeira. Sie begleitenden die Spielenden mit Gesang, Klatschen und Instrumenten. In dieser Runde begegnen sich zwei Capoeiristas, um die erlernten Bewegungen im freien Spiel zu praktizieren. Ziel des Spieles ist es nicht, den Anderen durch Aggression zu "besiegen", sondern sich in gekonntem Zusammenspiel durch geistige und körperliche Geschicklichkeit und Schnelligkeit die Grenzen aufzuzeigen. Da die Bewegungen außerordentliche Geschwindigkeit, großes Geschick und Beweglichkeit erfordern, ist für die Ausführung der Capoeira eine spezifische Gymnastik erforderlich, die inzwischen auch als Sportart angesehen und akzeptiert wird.

Im Capoeira - wo Intuition und Improvisation gefragt sind, treffen die Gegensätze aufeinander: Kämpfen und Spielen, Aggressivität und Poesie, die Eleganz des Tanzes, die geschmeidige Kraft der Akrobatik, der Rhythmus der Musik und die Effektivität des Kampfes.